Opium
Seit tausenden von Jahren ist Papaver somniferum, der Schlafmohn als Kulturpflanze bekannt. Seine Heimat ist Mittel- und SĂŒdeuropa.

Nicht erst in der Antike mit ihren medizinischen Errungenschaften wird seine schmerzstillende Wirkung geschÀtzt, schon bei Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit wurde Schlafmohn als Nutzpflanze, Heil- und Rauschpflanze in verschiedenen Teilen Europas nachgewiesen.
In der griechischen Antike und in Ăgypten wurde der Mohnsaft (Der Name Opium fĂŒr den Milchsaft des Schlafmohns leitet sich vom griechischen Opion, Milchsaft ab) zunĂ€chst fĂŒr kultische Zwecke gebraucht und ist den Göttern Morpheus (Traum) und Hypnos (Schlaf) zugeordnet, aber auch die Göttin Nyx (Nacht) und der Gott des Todes Thanatos sind in diesem Kreis zu finden.
Schlaf, Traum, Nacht und Tod, diese vier beschreiben schon recht gut, in welchen Gefilden wir uns hier befinden. Der Mohn, oder genauer gesagt der getrocknete Saft der angeritzten grĂŒnen Mohnkapseln und die darin enthaltenen Alkaloide stillen Schmerzen, schenken Ruhe und in groĂen Dosen den Ăbergang in die ewige Nacht, den Tod (durch AtemlĂ€hmung).

Mit dem Opium und seinen Zubereitungen stand also erstmals eine stark wirksame Behandlung von Schmerzen und Schlaflosigkeit zur VerfĂŒgung, die z.B. chirurgische Eingriffe erst so richtig ermöglichte.
Ab dem 3. Jahrhundert war Opium in der Medizin in China gebrĂ€uchlich, um 1000 fĂŒhrte der arabische Gelehrte Avicenna den Mohnsaft in der islamischen Medizin ein und ab dem Mittelalter war Opium in Europa ein wichtiges Heilmittel.
Ab dem 17. Jahrhundert fand die Verwendung von Opium als Bestandteil von Laudanum, einer Tinktur aus Opium, Safran, Zimt und Nelke in Wein, immer weitere Verbreitung. Bis ins 19. Jahrhundert war diese Zubereitung ein bekanntes und beliebtes Universalheil- (und Rausch-)-mittel.
Mit der Isolierung des Morphins aus dem Opium, zu Beginn des 19. Jahrhunderts durch den Apotheker SertĂŒrner, wurde die medizinische Verwendung des Opiums bald in Richtung der Bestandteile, Alkaloide verschoben.
So finden heute Morphin und seine Abkömmlinge in der BekÀmpfung stÀrkster Schmerzen Anwendung, wÀhrend Codein neben der schmerzstillenden Wirkung als starker Hustenstiller geschÀtzt wird. Daneben finden sich im Rohopium noch eine Reihe weiterer Alkaloide wie Noscapin (Narcotinum) oder Papaverin die in ihrer Gesamtheit die gute schmerzstillende und krampflösende Wirkung des Opiums ausmachen.

Gleichzeitig mit der medizinischen und kultischen Anwendung entwickelte sich aber auch rasch der Missbrauch.
Schon seit Beginn der Kultur von Schlafmohn wurde seine berauschende Wirkung in Ritualen genutzt, in der Antike als Pflanze des GlĂŒcks bezeichnet. In China wurde Opium als Aphrodisiakum gefeiert und die Anwendung des Opiumrauchens, eigentlich Einatmen der DĂ€mpfe verbreitete sich bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts um die Welt. Nicht wenige KĂŒnstler, Dichter, Maler und auch Komponisten im Europa des 18. und 19. Jahrhunderts suchten im Opium Inspiration und Entspannung.

Missbrauch von Opiaten, ursprĂŒnglich auf Morphin beschrĂ€nkt, und Opioiden entstand historisch gesehen oft aus der medizinischen Anwendung, z.B. bei der Behandlung von Kriegsverletzungen und endete nicht selten in einer Sucht, da dem langsamen Absetzen der Medikation wenig Bedeutung beigemessen wurde und zusĂ€tzlich mit der oft raschen Toleranzentwicklung das BedĂŒrfnis nach höheren Dosen stieg. Auch heute noch sind manche Patienten nach einer lĂ€ngeren schulmedizinischen Schmerzbehandlung mit Opiaten mit einem langwierigen Entzugs- und Genesungsprozess gefordert.
Die OpiatabhĂ€ngigen der nĂ€heren Vergangenheit sind aber auch hĂ€ufig Menschen aus allen sozialen Schichten, die im Rausch eine Flucht aus ihrem Alltag in die weiche und schĂŒtzende Wattewelt der Opiate finden, bis zu dem Punkt, an dem aus dem genussvollen Konsum eine grausame Jagd nach der nĂ€chsten Dosis wird mit allen Problemen drumherum, wie VerfĂŒgbarkeit, QualitĂ€t und Preis, die die Konsumenten nicht selten in den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Ruin fĂŒhren. (Nicht der gesellschaftliche Background ist hier der Auslöser, oft ist es die emotionale Einsamkeit, hĂ€ufig junger Menschen, die sich mit den Opiaten so gut lindern lĂ€sst und die kommt in den feinsten Kreisen vor.)
All diese zwiespĂ€ltigen Aspekten des Schlafmohns und des daraus gewonnen Opiums kann man bei der homöopathischen Verwendung getrost auĂer Acht lassen.
Mit Opium Globuli lassen sich weder starke Schmerzen betÀuben, noch muss jemand Bedenken wegen Toleranzentwicklung und Sucht haben.
Die Indikationen im Arzneimittelbild spiegeln die Wirkung der stofflichen Dosis Opium wider:
Verstopfung und extreme DarmtrĂ€gheit aber auch unwillkĂŒrlicher Harn- oder Stuhlabgang â Opiumtinktur bei massiven DurchfĂ€llen
Zustand von Benommenheit, Verwirrung und geistiger Abwesenheit, Katersymptome â BetĂ€ubungsmittel
MĂŒde und kraftlos â Schlafmittel
AuĂerdem steht uns mit Opium ein weiteres Schock- und Traumamittel zur VerfĂŒgung.
Beim Opiumpatienten zeigt sich der Schock allerdings nicht in panischer Flucht, wie bei Aconit sondern in einem paralyseĂ€hnlichen Zustand der Teilnahmslosigkeit. Der Patient ist hilflos und wehrlos seiner Ăberforderung ausgesetzt, unfĂ€hig zu fliehen oder um Hilfe zu rufen.
Eine schöne und sehr bildhafte Beschreibung von TraumazustÀnden, die nach Opium verlangen sehen Sie im folgenden Video:
Nach schweren Operationen, Geburtskomplikationen oder auch Gewalterlebnissen wie Krieg oder Verbrechen, sollten wir also bei sehr ruhigen, gefassten Patienten oder pflegeleichten Babies an Traumafolgen und an Opium denken.
Abgesehen von schönen Blumen, die sich nur durch einen kleinen Trick in die Vase stellen lassen (StĂ€ngel kurz abflammen, damit der Saft nicht austritt) und den bereits erwĂ€hnten medizinischen Wirkungen, ist der Mohn aus der österreichischen KĂŒche nicht wegzudenken.
DafĂŒr wird im Waldviertel Graumohn (und in Oberösterreich Blaumohn) angebaut, der klassisch in Mohnnudeln, Mohnstrudel oder Mohnzelten verarbeitet wird.

In der jĂŒngeren Vergangenheit haben aber auch einige Mohnbauern einen sehr kreativen Zugang zum Mohn gefunden und so kann man heute Mohnschnaps, Mohnöl, Mohnpesto und vieles mehr finden. (Wer es genau wissen und kosten will, sucht nach dem MohndorfâŠ)
So schön Mohnblumen auch sein mögen, nicht in allen LÀndern ist es erlaubt sie anzupflanzen, zumindest nicht jene Sorten, die einen höheren Gehalt an Alkaloiden aufweisen.
Autorin: Mag. pharm. Barbara Tell, Remedia