Neu hier? So können Sie bei Remedia Homöopathie suchen ...
help text filter image
Filterkategorie
Schränken Sie den Suchbereich mithilfe der Kategorien ein. So kommen Sie noch schneller zum passenden Suchergebnis aber auch zu erweiterten Detailfiltern.
  • Einzelmittel (Globuli und Dilutionen)
  • Arzneien, Sets, Zubehör und Bücher
  • Website-Inhalte
  • Literaturarchiv
help text input image
Suchbegriff
Suche möglich nach: Einzelmittel-Namen (z.B. Arnica montana), Synonymen (z.B. Brechnuß), Produktnummer (z.B. 9001366), Familie (z.B. Nosode), Scholten Nr. (z.B. 665.24.08). In den grünen Feldern werden Ihnen die jeweiligen Hauptnamen unserer Mittel angezeigt.

Thea chinensis - Weihe

Thea chinensis
Arzneimittelbild von Christoph Weihe

Revision des Arzneimittelbilds nach Masi-Elizalde

== Primäre Psora ==

Leitmotiv

Der Thea-Mensch sucht vergeblich mit Hilfe seiner Intelligenz das Absolute durch die grandiose Ausdehnung seiner affektiven Erlebniswelt. Seine √ľberreizten Sinne und seine immerwache Aufmerksamkeit trachten danach, alle geschaffenen Dinge grenzenlos zu durchdringen und zu durchleben, um zum letzten Wesen durchzudringen. Metaphorisch gesprochen leert er jeden Becher bis zur Neige, er will bis auf den "Tassenboden" schauen k√∂nnen. Jedes Tabu reizt ihn zur √úberschreitung, alles unterwirft sich dieser brillianten Intelligenz, die alles woll√ľstig zergliedert, dabei aber mit kaltbl√ľtiger Leidenschaft vorgeht. Unabl√§ssig ist der Thea-Mensch den Grenzen des Verstehbaren und Erlebbaren auf der Spur. Sein Prinzip ist die intellektuelle und k√∂rperliche Verschwendung und √úberschreitung, das Heilige und die Gewalt.

 

Transzendenter Wert

In Gott sind alle Erkenntnisbilder als Urbilder im Voraus, er mu√ü das All der geschaffenen Welt nicht erkenntnism√§√üig durchdringen, da alles Bestehende von ihm abk√ľnftig ist. Er kann darum auch nach seinem Willen damit verfahren. Gott kennt keine Erfahrungsgrenzen, sein Verstehen wei√ü den Dingen immer schon auf den Grund zu gehen. In Gottes √Ėkonomie gibt es nicht den Dualismus von Sammeln und Zur√ľckhalten von N√ľtzlichem und grenzenlosem √úberfluss.

 

Menschliche Daseinsbedingung

Die geistigen Akte sind f√ľr Thomas die vollkommenste Lebenst√§tigkeit. Weil diese T√§tigkeit die Bindung an das Stoffliche der Welt √ľberwindet, ist sie gewisserma√üen alles. Der Verstand ist in der M√∂glichkeit des Erkennens unbegrenzt. Durch das Verm√∂gen das All zu verstehen ist er gewisserma√üen das All. Dies ist laut Thomas das innerweltliche Ziel: das Verstehen aller Dinge, worin immer schon ein √ľberschreitender Aspekt steckt.
Die Sinne des Menschen nehmen die Erkenntnisbilder aller Dinge auf; so wird seine Seele durch den Besitz der sinnf√§lligen und verstehbaren Formen gleichsam zu allem. " Dadurch kommen die erkenntnisbesitzenden Wesen in ihrer √Ąhnlichkeit gleichsam Gott nahe, in dem alles im voraus da ist." (STh, I, 80, 1.).
Die höchste Art der Lebenstätigkeit ist das geistige Erfassen der Wirklichkeit. Die eindringende Kraft des Geistes setzt voraus, dass das, was ist, auch eben deshalb verstehbar ist; andernfalls hätte es keine Daseinsberechtigung. An sich steht der Geist an erster Stelle und alles andere Seiende ist des Geistes wegen da- als Gegenstand oder als ein Weg zu geistiger Tätigkeit. (CG II, 98.)
In diesem Sinne glaubt der Thea-Mensch, alles Seiende habe seine Daseinsberechtigung kraft seines erkenntnishungrigen Verstandes, der alles Verborgene, Dunkle und Entfernte nach seinem Gutd√ľnken zerlegt. Sein Appetit ist in jeder Hinsicht nicht zu stillen, alles will er sich einverleiben, mit allem will er lustvoll verschmelzen. Der h√∂chste Sinnesgenus besteht darin, den Dingen ihre Form gewisserma√üen zu entrei√üen, sie zu Ent-√Ąu√üern, ohne vom weiteren Bestand der Dinge sich betroffen machen zu lassen. Schrankenloser Erfahrungstrieb nach Erlebnis- und Erkenntnisgenus ohne Moral und Gewissen sind die Folge.
Die Erkenntnis-Bedingung des Menschen h√§ngt mit seiner Rolle als "Zweitursache" eng zusammen. D. h. er muss sich mit der Tatsache abfinden, dass er nicht √ľber gewisse Grenzen hinausreichen kann, die die Sch√∂pfung selber setzt.

 

Fokus der inneren Aufmerksamkeit

Das Schl√ľsselwort f√ľr Thea ist der intellektuelle Exzess.
Er hat die Neigung sich und sein Leben zu analysieren. Alles soll verstehbar gemacht werden, es fehlt aber dabei jegliche Hemmung und Moral. Freude erlebt er nur bei schrankenloser F√ľlle seiner √ľbertriebenen, intellektuellen Phantastereien, die er bis zur grausamen Exzess treibt. In seiner verliebten Ekstase hat deswegen die profane, auf Fortpflanzung orientierte Liebe keinen Platz, eher die Verzerrung dieser Liebe durch die Perversion kaltherziger Lustkalk√ľle.
Diese Lustkalk√ľle werden gesteuert von der Notwendigkeit der Grenz√ľberschreitung im Tabubruch und der Verschwendung nicht enden wollender Reserven.
Der Literat Georges Bataille sagt dazu: "Aber das r√ľckhaltlos - dem Tod, der Qual, der Freude- ge√∂ffnete Sein, das offene und sterbende, schmerzerf√ľllte und gl√ľckliche Wesen erscheint schon in seinem verh√ľllten Licht. Dieses Licht ist g√∂ttlich. Und der Schrei, den dieses Wesen mit verzerrtem Mund hervorbringt, ist ein unermessliches Halleluja, verloren in einem Schweigen ohne Ende."

 

Schuld

Seine Intelligenz will sich r√ľcksichtslos an allem Erkennbaren und Denkbaren erfreuen, immer sollen die Grenzen des Verstehbaren √ľberschritten werden. Sie ist Rechtfertigung und Instrument bei seinen Ausschweifungen. Seine intellektuell-libidin√∂se Energie kennt keine Tabus. Ein Extremfall ist der intellektuelle Triebt√§ter und Kannibale Hannibal Lector im "Schweigen der L√§mmer", dessen Exzesse keine sexuellen Motive haben.

 

Verlust

Er verliert jedes Mitgef√ľhl, da die Freude allein dem Tabubruch mithilfe des kalten Verstand unterstellt wird.

 

Strafe

Seine Intelligenz nimmt ab, seine Verstandesorgane rebellieren, seine Wahrnehmung ist √ľberreizt, seine affektive Energie auf dem Nullpunkt.

 

== Themen == 

Hauptthemen

Die Themen kreisen literarisch √ľberspitzt ausgedr√ľckt um Begriffspaare wie: Liebe und Tod, Wollust und Ekstase, Gewalt und √úberma√ü, Wahnsinn und k√ľhle Intelligenz, Entgrenzung und Lachen.

 

Themenliste

Lachen
Al. 3,

Sprechen in Reimen
Al. 3,
Rep, mind, delirium, loquacious, in rhyme

Geist und Intelligenz
Al. 5, Al. 7, Al. 9, Al. 27, Al. 28, al. 29, Al 181,

Angespannter Geist und unfähig zur Erholung
Al. 9, Al. 17, (Al. 18, Vergiftung)

Leichtigkeit
Al. 8,

(Selbst)-Vertrauen
Al. 5, Al. 10,

Rep. Mind, Confidence, want of self-, beer amel.

Bier
Al. 10, Al. 242,

Ekstase
Al. 3,
Rep. Mind, Ecstasy, amorous

Spr√ľhen wie Funken
Al. 7, Al. 66, Al. 216.

Geistige oder nervöse Schwäche
Al. 6, Al. 10, Al. 24, Al. 26, Al. 28, Al. 30, Al. 31, Al. 61, Al. 210, Al. 256,

Kraft
Al. 216

Unkontrollierbarer Zwang
Al. 4,

Sterben und Töten
Al. 4, Al. 19, Al. 268,
Rep. mind, death, pesentiment, predicts the time
mind, fear, apprehension, dread, of sudden death
mind, fear, apprehension, of killing
mind, kill, desire to, herself, sudden impulse to

Dunkle Lebensgedanken
Al. 20, Al. 22, Al. 268,

Freude am Töten
Al. 269,
Rep. Mind, voluptous, waking from a dream of murder

Empfindlichkeit und Empfindungslosigkeit
Al. 7, Al. 11, Al. 28, Al. 32, Al. 201, 202, 203, Al. 211,

Herzangst
Al.171, 173, 174, 175, 176, 177, 180, 181, 183,

Glocke
Al. 11, Al. 70,

Griff an die Nase
Al. 73,

Bitterkeit
Al. 90,

Der leere Magen
Al. 26, Al. 95, Al. 117-119, Al. 243,

Fasten
Al. 243.

Sex
Al. 149,

Schmerzen wie von Folter
Al. 47, Al. 85, Al. 204, Al. 211, Al. 250,

Zittern
Al. 205, Al. 215,

Plötzlichkeit
Al. 55,

Körperliche Schwäche
Al. 231, 232, 234, 235, 236,

Schwäche nach Essen
Al. 229, 230,

Tumoren
Al. 214

Kaltbl√ľtigkeit
Al. 269

Unter die Haut
Al. 47, Al. 214, Al. 250.

Unfähig zum treppaufgehen
Al.160.

 

== Miasmatische Dynamik ==

Sekundäre Psora

Abgeleitetes Bild

Der Thea-Mensch vermittelt das Gef√ľhl, in einem K√§fig zu stecken. Seine libidin√∂se Energie ist wie durch Gitterst√§be behindert. "Ihm ist als ob es tausend St√§be g√§be, und hinter tausend St√§ben keine Welt" (Rilke). Ein Ausbruch aus diesem Gef√§ngnis weckt seine abgr√ľndigen √Ąngste.
In weniger extremen F√§llen sehen wir einen gehemmten Menschen vor uns. Seine intellektuelle Freude ist eingepfercht, er traut sich vielleicht gerade an ein Kreuzwortr√§tsel heran oder andere harmlose geistige Besch√§ftigungen, bei denen keine gedankliche Grenze verletzt werden. Jemand, der sich in seiner geistigen Welt auf kein Abenteuer einl√§sst. Vielleicht ein radikaler √Ėkologe, der alles vom Gesichtspunkt der Verwertbarkeit und der Erhaltung von biologischen Ressourcen sieht und in diesem Sinne unendlich ausdauernd argumentiert. Das √úberma√ü, das die Natur dauernd produziert, √§ngstigt ihn. Die daraus entstehende Zerfallsprozesse der F√§ulnis und Verwesung bewirken Ekel bei ihm. alle Abf√§lle sollen wiederverwertet werden, er betreibt ein ausgekl√ľgeltes Recyclingsystem, indem der Verlust durch √úberfluss und Luxus methodisch ausgeschlossen wird. Es geht um die Verbannung der Freude am √úberma√ü.
Das hier im Zentrum stehende Begriffspaar Tabu und √úberschreitung hat der franz√∂sische Soziologe Marcel Mauss auf die Formel gebracht: "das Verbot wurde erdacht, um es zu √ľberschreiten."
Der psorische Thea-Mensch wird sich also √∂konomisch und sparsam verhalten. Er vermeidet alle √ľbertriebenen Ausgaben und ihn √§ngstigt die Verschwendung. Dabei geht es ihm weniger um Anh√§ufen und Sammeln, als um die Vermeidung von √úberschwang. Diese Sparsamkeit betrifft v.a. alle libidin√∂sen Ausscheidungsvorg√§nge des K√∂rpers, aber auch jegliche sprachliche Ent-√Ąu√üerung oder Ausdr√ľcke der Freude. √úberall ist er zur√ľckhaltend.

 

Sekundärpsorische Symptome

Ein Gef√ľhl des leeren Magensackes; Zustand nerv√∂ser Unbehaglichkeit und mangelhaftes (Selbst)-Vertrauen; Unlust zur Unterhaltung; trockene Augen nach durchwachter Nacht; Unwohlsein nach dem Essen; Unf√§hig zum treppaufgehen; Schw√§che der Muskulatur und der Kraft; Fasten verschlimmert;

 

== Egotrophie ==

Abgeleitetes Bild

Die beiden egotrophen Varianten des Thea-Menschen haben beide mit der lustvollen √úberschreitung von (gedanklichen) Tabus zu tun.
Eine schwächere Variante in der Egotrophie ist der Autofahrer, der sagt: "Ich glaube nicht an Geschwindigkeitsbeschränkungen." Seine Freude hat er an solchen lustvollen, kleinen Verstößen und Regelverletzungen.
Seltener begegnen wird uns der radikale Thea-Mensch im Extremkonflikt. Die unaufhebbare Spannung zwischen Tabu und Tabuverletzung ist f√ľr ihn die Voraussetzung der erotischen Ekstase, der Transgression und der Entgrenzung des Ich. Um dorthin zu kommen muss der Mensch alles riskieren, bis zu seinem eigenen Leben. Darum dreht sich das Leben des Thea-Menschen v.a. um Erotik und Tod.
Bataille sagt dazu: Wir machen uns vom Menschen ein Bild, "das von der äußersten Lust (die im Spiel der Geschlechter ihre wildeste Intensität erreicht) und vom äußersten Schmerz (den der Tod zwar stillt, vorher aber auf das heftigste steigert) gleich weit entfernt ist: von jeher betrafen die meisten Verbote einerseits das Sexualleben und andererseits den Tod, so dass beide Bereiche als sakral, als der Religion zugehörig empfunden wurden."
Ein Typus des egotrophen Thea-Menschen ist der libertine √úbermensch de sadescher Auspr√§gung. De Sade glorifiziert den erotomanen, sich und andere vergeudenden Herrenmenschen, den Typ des sadistischen Henkers. Seine Ausschweifungen sind sehr ritualisiert und reglementiert, sie m√ľnden in eine Ekstase, die mit zwanghaft kalkulierender Intellektualit√§t kontrolliert zu sein scheint, und die entgrenzende Gewalt der Handelnden wird zum katastrophalen Ohnmachtserlebnis der Opfer. Das sexuelle Erlebnis wird auf Kosten des Anderen inszeniert, Lust hat zu tun mit dem unb√§ndigen Verbrauch von K√∂rpern, den De Sade wie √ľbersch√ľssige Biomasse konsumiert. Keine Lebensform ist ihm zu kostspielig, immer ersinnt er mit ausschweifender Phantasie neue Genussressourcen. Leben ist Luxus und besonders dann, wenn Lebendiges dabei vernichtet wird. Die Sexualit√§t wird jeglicher Fortpflanzungsfunktion beraubt, denn er ist Feind des Utilitarismus. Seine Ganze Freude gilt dem √úberma√ü der Ausscheidungen, die Lust ist umso gr√∂√üer, je mehr Sekrete str√∂men. Es ist ihm eine Freude, wenn es richtig zum Himmel stinkt. Ein Film, der solche Exzesse erz√§hlt, ist P.P. Pasolinis letztes Werk "Salo".
George Bataille l√§sst in "Meine Mutter" den Sohn der inzestu√∂sen Mutter sagen: "Ich genoss mein Unbehagen." Bataille fordert seine Leser auf, die Angst vor dem Tabu bewusst zu erleben, sie in erotische Energie zu ballen und als Feder zur Entgrenzung und √úberschreitung in eine neue Erfahrung zu nutzen. "Um bis ans Ende der Ekstase zu gehen, wo wir uns im Sinnengenuss verlieren, m√ľssen wir ihm immer wieder die unmittelbare Grenze zeigen: diese Grenze ist der Schrecken." Ohne diese Angst sei der Mensch nicht f√§hig die M√∂glichkeit der souver√§nen Selbstverschwendung zu erreichen.
Zum Gel√§chter sagt Bataille:" Wenn ein Ausbruch von Gel√§chter erzeugt wird, handelt es sich, wie man zugeben muss, um dieselbe nerv√∂se, normalerweise durch den After ( oder die benachbarten sexuellen Organe) stattfindende Entladung, die sich diesmal durch die √Ėffnung des Mundes Bahn bricht." F√ľr Bataille ist die Erotik das Sprungbrett, das die homogene Alltagswelt des N√ľtzlichen und der Anspruchslosigkeit transzendiert in die Schreckenswelt der Heterogenit√§t, in der die Affekte herrschen. Der Schrecken geh√∂rt darum bei Thea auch in die Egotrophie. Ein Beispiel ist der Song von J. Cale "Fear is a man¬īs best friend".
Jegliche Form der unproduktiven √úberschussvernichtung k√∂nnen dem Thea-Menschen zusagen: Opferkulte, Kunst, Prachtbauten, perverse Sexualit√§t, Krieg und Zerst√∂rung. Damit hat er eine gef√§hrliche Neigung zum Untergang. Sein Funktionsprinzip ist das des Verlustes. Der profanen, s√§kularen Welt der Arbeit setzt er die entfesselten Feste und das gef√§hrliche Leben entgegen. Bataille verweist ausdr√ľcklich auf den religi√∂sen Charakter der Erotik, die √ľber den Horizont der unmittelbaren Welt hinausreicht.

Ein anderes Bild der Egotrophie ist der intellektuelle Asket, der seine Überschreitungen in Meditation und Kontemplation findet. Er lehnt alle Verschwendung und allen Luxus ab. Dieser Typ passt leichter zu unseren Erwartungen an das harmlose Genussgift Tee als der eben erwähnte Typ.
Im Zen-Buddhismus ist im Zusammenhang mit der Tee-Zeremonie vom "Leermachen" die Rede. Dabei soll sich der Tee-ausschenkende Meister in eine Leere bringen, die nicht auff√ľllbar ist, gewisserma√üen eine angef√ľllte Leere, der nichts fehlt.
Diese Spielart des Thea-Menschen geht mit Energie sparsam um. Dabei geht es ihm aber nicht um die Bewahrung und Aufsparung von Kr√§ften. Die rationale, profanisierte Welt wird hier in die unendliche Welt des Sakralen √ľberschritten. Allerdings ein Vorgang, dessen ekstatische Natur √§u√üerlich verborgen bleibt. Die innere Erfahrung des Mystikers, der an die Grenzen des f√ľr den Menschen m√∂glichen gelangt, um sie immer weiter auszudehnen. Philosophie, Yoga und Askese k√∂nnen ihm dabei behilflich sein. Die Entgrenzung des profanen Wissens, der Moral und des Gef√ľhls in einer Sph√§re der Trance, die in einer inneren Erfahrung gesucht wird. Die Alltagssprache weis allerdings dieses Erlebnis nicht zu vermitteln, Ausdruck der Unausdr√ľcklichkeit wird somit das Schweigen. Die Philosophie der Grenz√ľberschreitung Batailles ersetzt Sprache durch stille Kontemplation. Dazu Bataille: "Die Lust w√§re ver√§chtlich, wenn es nicht ein √ľberw√§ltigendes √úberschreiten w√§re, was nicht nur der sexuellen Ekstase vorbehalten ist. Die Mystiker haben es in gleicher Weise erfahren. Das Sein wird uns gegeben in der unertr√§glichen √úberschreitung des Seins, das nicht weniger unertr√§glich ist als der Tod." Wir m√ľssen das Sein "im Erleben des Todes suchen, in jenen unertr√§glichen Momenten, in denen wir zu sterben glauben, weil das Sein in uns nur noch Exze√ü ist, wenn die F√ľlle des Schreckens und der Freude zusammenfallen."
"Selbst das Denken vollendet sich nur im Exzess. Was bedeutet Wahrheit au√üerhalb der Vorstellung des Exzesses, wenn wir nicht sehen, was √ľber die M√∂glichkeit des Sehens hinausgeht, das zu sehen unertr√§glich ist, wie in der Ekstase der Genuss unertr√§glich ist? Wenn wir das nicht zu denken verm√∂gen, was die M√∂glichkeit, zu denken √ľbersteigt...?"

 

Egotrophe Symptome

Delirium mit Exstase, unaufh√∂rliches Lachen, Sprechen in Reimen und zur Schau gestelltem Wohlbefinden; geistige Verr√ľcktheit mit vermehrten Selbstvertrauen; Vermehrte Herzlichkeit und intellektuelle Brillianz; fl√ľssige Konversation und spr√ľhender Witz; vermehrte geistige F√§higkeiten ohne Zunahme der Vorstellungskraft, ausdauernde Aufnahmef√§higkeit; Wahrnehmung gesteigert, neigt zur sinnenden Meditation; aktiver Ideenstrom, die Aufmerksamkeit konzentriert sich leicht auf einen Gegenstand; Gef√ľhl der Gesundheit und Fr√∂hlichkeit; anhaltender Gedankenfluss in der Nacht; ausstrahlende Lichtblitze; Unnat√ľrliche Erregung der Sexualorgane; lebendige Konservation und fortgesetztes Denken verbessert die Angst des Nachts; kraftvolles austreten bessert die Taubheit der Beine; Traum vom kaltbl√ľtigen Mord an jungen Kindern, der noch lange eine lustvolle Erinnerung hinterl√§sst.

 

== Egolyse ==

Abgeleitetes Bild

Der egolytische Thea-Mensch ist der Opfertyp der de sadeschen Szenen und Arrangements. Er ist der erniedrigte und verletzte Knecht, der sich der Gewalt willenlos ausliefert. Jedes Überschreitung wird zum Erlebnis der Gewalt auf seine Kosten. Er akzeptiert die Unmöglichkeit jeden Genusses, denn der bereitet ihm nur Beschämung. Es handelt sich also nicht um den Typ des Masochisten, denn der erlebt ja Lust in der Unterwerfung.

 

Egolytische Symptome

Von unkontrollierbarer Macht zum Selbstmord gezwungen; m√ľrrisch und schweigsam; die Nachtglocke versetzt in furchtbare Nervosit√§t; geistige Qual; gesch√ľttelt vom furchtbarsten Schrecken will er im Haus des Anderen sterben; finstere Gedanken und aussichtslose Vorstellungen √ľber sein Leben; unf√§hig zu lesen oder zu denken; Herzangst und Traurigkeit; verdunkelter Geist und schwaches Ged√§chtnis; Anf√§lle von Unempfindlichkeit; Gef√ľhl eines Eisens, das ihr unter die Kopfhaut f√§hrt; Zunge wie von hei√üer Fl√ľssigkeit verbrannt; unertr√§glicher Schmerz nach dem Essen; Handzittern, da√ü er nicht schreiben kann; Gef√ľhl das Bettlaken zerquetscht den Fu√ü; Gef√ľhl, der Tod nahe unmittelbar; Versinken in den tiefsten Abgr√ľnden der Finsternis;

 

== Alterolyse ==

Abgeleitetes Bild

Alle Gen√ľsse sind ihm verg√§llt, weil andere seinen Spielraum einengen. Er kann sich nicht ausdehnen, weil die Anderen ihn einschr√§nken und er sich nicht frei bewegen kann und darum bleibt ihm wirklicher Spa√ü verwehrt. Er greift darum die vermeintlichen Moralw√§chter an, oder er versucht Andere seinen Exzessen auszusetzen. Respektiert keine ethischen Grenzen indem er zum Peiniger seiner Mitmenschen wird.

 

Alterolytische Symptome

Neigung wegen jeder Kleinigkeit zu streiten; Der Lust-Mord an wehrlosen Opfern;

 

Interpretation einzelner Symptome

Der Selbstmord aus dem Fenster: Jemand wirft sich dem Licht entgegen.
Die individuelle Todeserfahrung des Menschen konfrontiert ihn mit erschreckender Gewalt durch die Gefahr der Zerst√∂rung aller Ordnung. Die profane Alltagswelt verbannt darum Tod und auch Erotik in eine tabuisierte , sakrale Welt. Die Gefahr des Todes wird im Alltag durch Notfallmedizin, Lebensversicherung, Totenkult etc. gebannt. Bei Tabuverletzung durch T√∂tung mu√ü Bu√üe abgeleistet werden. Die Sexualit√§t ist in der sexuellen Vereinigung ausschlie√ülich zum Fortpflanzungszweck gebannt. Die √úberschreitung dieser Tabus, so scheint es dem Thea-Menschen, gibt seiner profanen Welt ihre Souver√§nit√§t zur√ľck.

Das Traumsymptom des kaltbl√ľtigen Kindermordes mit dem Erleben von klammheimlicher Freude ist das st√§rkste Argument f√ľr die These, Thea habe etwas mit Tabubruch und Entgrenzung zu tun. Der in allen Einzelheiten phantasierte Babymord der Mutter ist ein weiteres klassisches Tabuthema. Weitere Hinweise daf√ľr sind die unnat√ľrliche Erregung der Sexualorgane, das unb√§ndige Lachen, der genannte eigene Todestrieb, das Versinken in den tiefsten Abgr√ľnden der Finsternis, das √ľberschw√§ngliche Sprechen in Reimen, die Prophetie, die Ausweitung seiner Intelligenz und die verliebte Ekstase.

Das Eisen, das ihm in das Hirn fährt, ist Ausdruck der Qual und der Unerträglichkeit, angesichts des Schreckens der "heiligen Erotik".

Die dunklen Analysen √ľber das eigene Leben und die n√§chtliche Illusion in einem finsteren Abgrund zu sitzen entspringen der Neigung des Thea-Menschen nach Mystik der √úberschreitung und des Schreckens.

Der Tod im fremden Hause ist die Grenzerfahrung des "ganz Anderen", die Grenz√ľberschreitung sogar im Raum der Exteriorit√§t..

Die Verbesserung durch das Bier: Hopfen ist ein Verwandter des Hanf, also der Cannabisarten, einer euphorisierenden Pflanzengattung. Hopfen gilt selber als bew√§hrtes Sedativum. Vom Hopfen r√ľhrt die direkte √Ėstrogenwirkung des Bieres. Seine Wirkung ist eher d√§mpfend auf der Ebene der Wahrnehmungsorgane. Eine Form von Antagonisierung der Theawirkung ist die Folge.

Die Illusion der T√ľrglocke entspringt dem √ľberreizten Sensorium. Im engeren Sinne weist es auf den √úberschreitungskomplex hin, das Durchschreiten einer T√ľr f√ľhrt zu neuen R√§umen, zu fremden Erfahrungen.
Eine weitere Assoziation sind die läutenden Todesglocken.

Zittern: Um die ekstatischen Zustände seiner Figuren zu beschreiben, benutzt Bataille auffallend oft das Wort "zittern".

Schrecken und Geist hängen etymologisch zusammen, was im Wort Geisterbahn noch lebendig ist. Thea lebt und leidet mit dem Schrecken an der Erkenntnis.

Meditation: Die meditative Neigung von Thea erlaubt den Br√ľckenschlag zum Tantrismus. Tantra, abgeleitet von der Sanskritwurzel tan, bedeutet "erweitern". Damit ist Tantra die Methode, das menschliche Bewu√ütsein zu erweitern und zu entwickeln. "Der Eros ist die bindende Kraft, die das unbewegliche Transzendentale in Bewegung versetzt, die den meditierenden Shiva zum vibrieren bringt, der Urheber und Mutterscho√ü, die die Ewigkeit schaffen. In der Vereinigung der zun√§chst gegens√§tzlichen m√§nnlichen und weiblichen Prinzipien entsteht schlie√ülich die Welt in ihrer F√ľlle." LS, S. 122

 

Andere Hypothesen

Der Verweis auf das Werk de Sades verdankt sich einer Diskussion des AFADH. Die daraus resultierende Hypothese sieht das Hauptproblem bei Thea in der kaltbl√ľtigen Unmoral √ľberschw√§nglicher Intellektualit√§t. In der hier ausgef√ľhrten Hypothese wird der Schwerpunkt etwas verschoben auf das Entgrenzungserlebnis z√ľgelloser Intellektualit√§t.

 

== Differentialdiagnose == 

Staphisagria
Der Verlust der W√ľrde durch die praktizierte Sexualit√§t macht Staphisagria zu einem Menschen, der f√ľr Kr√§nkungsszenarios beim Sex wie geschaffen ist.

Plumbum
Bei Plumbum geht es allein um das Verbot, daß zur Überschreitung provoziert. Er mag nicht akzeptieren, nur die zweite Geige in der Ordnung der Welt zu spielen, und bekämpft darum diese Ordnung. Überschreitung wird hier im Gegensatz zu Thea nicht intellektuell betrieben.

Aconitum
Schrecken, Todesahnung und Hang zur L√§cherlichkeit erinnern an Thea. Aconitum vertraut nicht der r√§tselhaften F√ľgung und will diese durch seine Wachsamkeit ersetzen. Er glaubt, da√ü alles Voraussehbare bis hin zum Schrecken des Todes schon in ihm steckt.

Hyoscyamus
Liebt die Unmittelbare Inbesitznahme, packt alles mit Begierde. Verschwenderisch und uners√§ttlich an und in der Liebe. Er will nicht dem Geliebten vertrauen m√ľssen, er will stattdessen Sicherheit durch Wissen. Der Diskurs der Macht des Eros durch die √úberzeugung und die Rede.

Stramonium
Er akzeptiert keine Grenzen, denn er will im Besitz einer Sache sein, ohne sie schrittweise zu erreichen. Erwill sich eine eigene Welt mit eigenen Regeln schaffen, die er intellektuell beherrschen kann.

Thomas von Aquin
In der theologischen Summe Frage 83 findet sich im 3. Artikel zur Frage "Ist die freie Entscheidung ein Strebevermögen?":
Der freien Entscheidung eigent√ľmlich ist die Wahl. denn insofern wird uns freie Entscheidung zugesprochen, als wir das eine aufgreifen k√∂nnen unter Zur√ľckweisung des anderen.(...) Nun kommt aber bei der Wahl etwas von der Erkenntniskraft und zugleich etwas von der Strebekraft (dem Willen) her. Von seiten der Erkenntniskraft ist die √úberlegung erforderlich, durch die entschieden wird, was dem anderen vorzuziehen sei.
Thomas nimmt hier mit Aristoteles die Position ein, das der freie Wahlentscheidt "ein Verlangen auf Grund der √úberlegung" sei.
In Frage 83, Artikel 1 sagt er aber schon:
Der Mensch hat freie Entscheidung, sonst wären Ratschläge, Ermahnungen, Vorschriften, Verbote, Belohnungen und Strafen sinnlos.
(...) Der Mensch jedoch handelt mit Urteil; denn er urteilt durch die Erkenntniskraft.
In den hier zitierten Passagen kommt zum Ausdruck, wieweit f√ľr Thomas die Entscheidungen f√ľr das Handeln von der Erkenntnis abh√§ngt. In jedem Verlangen steckt ein Erkenntnisbegehren.
Der Mensch ist f√ľr Thomas als freies Wesen geschaffen. Aber diese Willensfreiheit hat eine Erstursache, n√§mlich ihren Sch√∂pfer, Gott. Die Freiheit der Zweitursache, des Menschen, kann nicht abgel√∂st gesehen werden von dieser Erstursache, Gott, von der sie bewegt wird, da sie von ihr abk√ľnftig ist. Thomas in S.Th. I, 105, 4 ad 3: "Weil aber die Bewegung durch einen anderen (Gott) keineswegs die Eigenbewegung ausschlie√üt, so wird ihm (dem Menschen) folglich der Grund f√ľr Verdienst und Schuld nicht genommen:"
Und in Frage 83, 1 ad 3:
Zur Freiheit geh√∂rt nicht notwendig, dass das, was frei ist, erste Ursache seiner selbst sei; (...) Gott ist also die erste Ursache, die sowohl die willentlichen als auch die nat√ľrlichen Ursachen bewegt.
Kommentar: D. h. also, der Mensch ist in der Frage nach den Regeln seines Handelns als Zweitursache von der Erstursache, Gott, abh√§ngig. Er mu√ü sich dieser Regel unterwerfen. Thea scheint in dieser Frage zu rebellieren: Er will sich Kraft seines Intellektes zur eigenen Erstursache aufschwingen. Damit gilt f√ľr ihn kein Gebot mehr.
S.Th. I-II, 76-78: Das Geheimnis der S√ľnde besteht darin, dass der menschliche Geist es unterl√§sst, √ľber die G√ľte Gottes nachzudenken, und dass der menschliche Wille diese G√ľte nicht entsprechend liebt.

Zur Substanz
Im DDS finden wir zur Teezeremonie folgendes:
Die Teezeremonie in Japan verk√∂rpert eine perfekte √Ąsthetik, eine Reinheit des Dekors, der Instrumente und der Gesten. Dies alles begr√ľndet einen Kult der Unbest√§ndigkeit und Verg√§nglichkeit der Sch√∂nheit. Der Teebaum ist der Legende nach aus den abgeschnittenen Lidern des Buddha entstanden, der damit das Einschlafen bei der Meditation verhindern wollte. Bis heute verwenden Zen-M√∂nche den Tee zu diesem Zweck. Es geht darum, die Rohheit der Gebr√§uche zu mindern, die Leidenschaften zu disziplinieren, die kriegerischen Widerspr√ľche zu √ľberschreiten und Frieden zu stiften. Charakteristisch f√ľr die Teezeremonie ist die N√ľchternheit und die Entfaltung der Tat, die zur Entbl√∂√üung der Individualit√§t f√ľhrt. Wie in allen Zen-K√ľnsten ist das zu erreichende Ziel nicht die vom Ego vollzogene Tat, sondern die von der eigentlichen Natur oder der Leere verursachte Handlung. Der Tee ist endlich das Symbol des Wesens, an dem das Selbst Anteil hat. Diese Leere ist nicht die des Schlafes, sondern sie ist intensiver in der kontemplativ-meditativen Stille.

 

Literatur
Georges Bataille, das obszöne Werk, Rowohlt, Reinbeck 1972
LS, Lexikon der Symbole, Heyne, M√ľnchen 1987
STh, die deutsche Thomasausgabe, Bd. 6, Verlag A. Pustet, Salzburg 1937
DDS, Dictionnaire des Symboles, Chevalier/Gheerbrant, Paris 1969

 

Autor: Weihe Christoph Homöopathische Arztpraxis, Köln.